15. Oktober 2019: Meldungen des Tages aus der Schulmedizin

Europa

Noch immer sind in Europa bis 50 % der Schwangerschaften ungeplant. Zugleich wächst aber auch die Zahl jener Paare, die auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können. Laut dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Gynäkologie zeigt sich in Europa generell eine zunehmende Skepsis gegenüber oral eingenommenen Hormonpräparaten. So brechen mittlerweile bis zu 50 % aller Frauen diese Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres wieder ab. Kontrazeptionsexperten empfehlen lieber klar reversible Langzeitkontrazeptiva (kurz LARCs genannt) wie Kupfer- und Hormonspiralen, 3-Monats-Depotinjektionen oder subdermale Implantate. Deren Vorteile lägen auch auf der Hand, denn LARCs seinen effektiver als orale Präparate, im Gegensatz zur Sterilisation jederzeit reversibel und bergen kein erhöhtes Thromboserisiko. Und auf einen Zeitraum von 3-5 Jahren gerechnet sind LARCs sogar billiger. (MedUni Wien, 15.10.2019)

Zur Verhütung lieber LARCs. (Foto: IAKW-AG, Getty Images / iStockphoto)

Deutschland

In Deutschland sind 2017 genau 11.002 Menschen durch einen häuslichen Unfall gestorben. Ganze 85 % davon waren zum einen älter als 75 Jahre und starben zum anderen durch Ausrutschen, Stolpern oder einen Fall von der Leiter. Die Hauptgründe sind ein schleichender Abbau der Muskelkraft und Gleichgewichtsstörungen. Beides kann schon mit 50 Jahren einsetzen und wird oft unterschätzt. Dagegen wirksam sind gezielte Kraftübungen für die Oberarm- und Oberschenkelmuskulatur und das bewusste Nutzen von Bewegungsmöglichkeiten im Alltag. Eine kalziumreiche Ernährung, ein regelmäßiger Medikamenten-Check, das Beseitigen von Sturzfallen im Haushalt und eine gute Beleuchtung sind ebenfalls Bausteine für das sichere und gesunde Altern zuhause. (Aktion Das Sichere Haus, 15.10.2019)

Infografik: Aktion Das Sichere Haus (DSH)

Ob man von seinem Gegenüber als sympathisch einstuft, hängt zu 55 % von der eigenen Erscheinung ab und nur zu 7 % von dem, was wir sagen. Letzteres wird aber immerhin zu 38 % durch die Stimme bestimmt. Diese Formel 55-7-38 wurde von Prof. Albert Mehrabian an der University of California erforscht. Von Dr. Robin Banerjee aus Unna stammt die Einteilung in folgende 4 Stimmtypen: Der schüchtern Stille, der achtsame Gelegenheitssprecher, der überlastete Vielsprecher und schließlich der geschulte Profi. (G. Pohl Boskamp GmbH, 15.10.2019)

Infografik: G. Pohl Boskamp GmbH

Immer öfter müssen Deutschlands Apotheken ihre Kunden vertrösten, weil ein verordnetes Medikament weder vorrätig noch kurzfristig lieferbar ist. Für die Apotheken entsteht dann ein Mehraufwand, denn bei einem Engpass ist der Apotheker verpflichtet, die Arztpraxis zu kontaktieren, um eine Ausweichlösung zu finden. Dabei muss jeder Schritt wie auch jeder vergebliche Bestellversuch dokumentiert werden. (Apotheken Umschau, 15.10.2019)

Österreich

Die Gesundheitsversorgung im engeren Sinne ist generell nur bis zu 40 % für die Gesundheit und Lebenserwartung verantwortlich. Den restlichen Anteil bestimmen die Umwelt, Erbanlagen, die Lebensweise und vor allem die Lebensbedingungen. Gesundheit als höchstes Gut des Menschen wird auch nicht allein in Krankenhäusern oder Ordinationen gemacht, sondern vor allem von einer klugen und weitsichtigen Gesundheitspolitik. Doch davon ist derzeit in Österreich nichts zu spüren. (Österreichische Gesellschaft für Public Health, 15.10.2019)

“Die Menschen in Österreich haben verlernt, richtig und gesund zu essen”, betont Marlies Gruber, Geschäftsführerin von forum. ernährung heute, anlässlich eines vom UN-Kinderhilfswerks UNICEF veröffentlichten Berichtes. So würden etwa in Österreich gleichzeitig Übergewicht und Mangelernährung zunehmen, denn viele Menschen würden glauben, dass sie eine ausreichende Nährstoffversorgung hätten, egal was sie essen würden. Doch kein Lebensmittel enthält alle wichtigen Nährstoffe, weshalb eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung wichtig sei. Zudem brauche das Land dringend Initiativen, welche die Produktion von Nahrungsmitteln, deren Inhaltsstoffe und Qualitätsaspekte aufzeigen. (forum. ernährung heute, 15.10.2019)

Österreichs 23 gemeinnützige Ordensspitäler sorgen für eine Wertschöpfung von rund 2,04 Mrd. €. Mit rund 24.000 Arbeitsplätzen sorgen die Ordensspitäler Österreichs durch Vorleistungseffekte – das sind indirekt Beschäftigte, wie beauftragte Elektrounternehmen oder medizinische Ausstatter sowie deren Kaufkraft – für rund 48.800 Jobs. Die Ordensspitäler sind aber auch deshalb ein bedeutender Bestandteil des österreichischen Gesundheitswesens, weil 20 % der heimischen Patienten dort behandelt werden. (Ordensgemeinschaften Österreich, 15.10.2019)

Pressekonferenz der Ordensgemeinschaften Österreich über die Wertschöpfung der 23 Ordensspitäler. (Foto: Ordensgemeinschaften Österreich / M. Schauer)

Das Apothekerhaus in der Wiener Spitalgasse verwandelte sich am 10./11. Okt. 2019 wieder in ein ereignisreiches Krankenhaus für Teddybären. Rund 350 Kinder spielten mit ihren kranken Stofftieren eine Spitalsituation nach. Damit sollen auf spielerische Art und Weise Ängste der Kinder vor Spitalsaufenthalten abgebaut werden. (Österreichische Apothekerkammer, 15.10.2019)

Die Österreichische Apothekerkammer spendete 1.500 € an den AFÖP. (Foto: aFÖP)

Liechtenstein

Die Regierung Liechtensteins beschloss eine Abänderung der Betäubungsmittelverordnung. Mit der Aktualisierung werden die wesentlichen Verpflichtungen von behördlicher Seite einerseits aber auch von Seiten des behandelnden Arztes und der betroffenen Patienten im Rahmen einer auf Betäubungsmittel gestützten Behandlung festgelegt. Der behandelnde Arzt muss für die Behandlung eine patientenbezogene Bewilligung beim Amt für Gesundheit einholen, welche für jeweils ein Jahr ausgestellt wird.  Nach Abschluss der Behandlung ist eine Schlussmeldung zu erstatten. Für einen Opioid-abhängigen Patienten darf gleichzeitig nur jeweils eine auf Betäubungsmittel gestützte Behandlung aufrecht sein. Dies vor dem Hintergrund, dass im Sinne einer zielgerichteten Behandlung Doppelbezüge von Substitutionsmedikamenten bei verschiedenen Ärzten ausgeschlossen werden können. (Fürstentum Liechtenstein, 15.10.2019)