24. September 2019: Meldungen des Tages aus der Medizin

Welt

57 % der im Rahmen des Pwc Reports “Action required: The urgency of addressing social determinants of health” befragten Patienten wurden von ihrem Arzt noch nie auf die für die Gesundheit wichtigen sozialen Faktoren angesprochen. Dabei lassen sich deren Auswirkungen nicht länger ignorieren: PwC geht davon aus, dass bis 2025 in vielen Ländern die Quote für Fettleibigkeit bzw. Übergewicht in der Bevölkerung bei über 68 % liegen wird. Durch frühzeitigere Investitionen in sozial relevante Strategien, darunter mehr Wohnraum und Bewegung sowie leistbare Medikamente, könnten Regierungen und Gesundheitssysteme langfristig Geld sparen und die gesundheitlichen Ergebnisse verbessern. Innovative medizinische Maßnahmen werden wirkungslos, wenn die Menschen keine soziale Unterstützung und keinen Zugang zu leicht verfügbaren Ressourcen haben, um selbst für ihre eigene Gesundheit zu sorgen. Regierungen und Gesundheitseinrichtungen, die sich nicht im Bereich der sozialen Faktoren engagieren, werden einfach nur immer mehr Geld ausgeben und dennoch einen Rückgang des Lebensstandards beobachten. (PwC Health Research Institute, 24.09.2019)

LigneSante möchte Ärzten ermöglichen, mit anderen Gesundheitsexperten auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten. Damit soll schnell und sicher eine Behandlungsmethode gefunden werden, die ganz auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt ist. Viele Ärzte und Gesundheitsexperten wissen, dass es für manche medizinischen Fälle keine Standard-Antworten gibt und eine Besprechung mit Kollegen helfen kann, neue Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Viele Studien haben gezeigt, dass medizinische Fehler noch immer weit verbreitet sind. Die Kollektive-Intelligenz-Plattform LigneSante möchte diese reduzieren.  (LigneSante, 24.09.2019)

Europa

Europas Konsumenten erwarten sich generell mehr Engagement von regionalen Anbietern. Insbesondere Medien (49 %), Behörden (44 %) sowie die EU selbst (42 %) werden als wenig aktiv empfunden. (Consors Finanz, 24.09.2019)

Infografik: Consors Finanz

53 % der Deutschen halten die Telemedizin für einen wichtigen Durchbruch im Gesundheitssystem. Zum Vergleich: Im Durchschnitt aller untersuchten Länder bejahen nur 47 % der Bürger die Telemedizin. Was allerdings fehlt, das ist praktische Umsetzung bzw. die digitale Infrastruktur. Bislang haben auch nur 7 % der Deutschen telemedizinische Lösungen wie Videoberatungen ausprobiert. (Sopra Steria Consulting, 24.09.2019)

Für Menschen, die an Schizophrenie leiden, verschwimmen Realität und Fiktion. Das Ich attackiert sich quasi selbst. Alltägliches wird als Verschwörung und Bedrohung empfunden. Wahnideen, Verfolgungsängste, Halluzinationen, Angst und Stimmen, die unablässig auf sie einreden, sowie der tägliche Kampf dagegen bestimmen das Leben der Betroffenen. Die Folge sind bis zu 10 % Selbsttötungen unter den Patienten. Die Anzahl der Selbstmordversuche wird sogar bis zu 5 Mal höher geschätzt. Selbstmord gilt bei Schizophrenie als radikalster Befreiungsversuch, um den quälenden psychotischen Erlebnissen ein Ende zu setzen. Weitere Gründe sind ein Selbsthass wegen der verlorenen Fähigkeit, das Leben zu meistern. Und drittens kann der Suizid auch von halluzinierten Stimmen befohlen werden. (Lundbeck Austria, 24.09.2019)

Deutschland

Die GKV-Ausgaben für Arzneimittel betragen seit Jahren 16-17 % der Gesamtausgaben (2018 rund 240 Mrd. €). Von ausufernden Arzneimittelausgaben zu Lasten der Solidargemeinschaft kann also keine Rede sein. (Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, 24.09.2019)

Infografik: BPI

Der Arzneiverordnung-Report ist seit 35 Jahren das Standardwerk für den deutschen Arzneimittelmarkt. Demnach sind die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) 2018 um 3,2 % auf 41,2 Mrd. € gestiegen. Damit zeigt sich schon seit vielen Jahren, dass Patentarzneimittel die wesentlichen Kostentreiber sind. Ein Indikator dieser Entwicklung ist der Apothekenumsatz je Verordnung, der sich im patentgeschützten Markt in den vergangenen 10 Jahren verdreifacht hat und mittlerweile 471 € beträgt. … Diese Hochpreispolitik der pharmazeutischen Hersteller führt dazu, dass sich das Gros des patentgeschützten Umsatzes auf immer weniger Produkte und immer kleinere Patientengruppen verteilt. … Wirtschaftlich sehr lukrativ ist für pharmazeutische Unternehmer auch die Entwicklung von Orphan-Arzneimitteln, also Wirkstoffen gegen seltene Erkrankungen, für die jährliche Wachstumsraten im Umsatz von etwa 12,3 % bis 2024 prognostiziert werden. Dadurch wird ihr Umsatzanteil am Gesamtarzneimittelmarkt von 8,9 % (2018)  auf 20 % (2024) steigen. (Wissenschaftliches Institut der AOK, 24.09.2019)

Deutschlands Apotheken schauen immer pessimistischer in die Zukunft. 80 % der Betreiber gehen davon aus, dass die wirtschaftliche Entwicklung der Branche in den nächsten 3 Jahren negativ verlaufen wird. Als eines der größten Ärgernisse im Berufsalltag werden mittlerweile die Lieferengpässe bei Medikamenten bezeichnet. (ABDA, 24.09.2019)

Foto: MHJ

67 % der deutschen Apotheker halten Homöopathie für eine sinnvolle Ergänzung der Schulmedizin. Homöopathika sollte als freiwillige Zusatzleistung von den Krankenkassen auch weiterhin erstattet werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat ebenfalls kein Problem mit der Erstattung von Homöopathika durch die Gesetzlichen Krankenkassen. (Apotheke adhoc, 24.09.2019)

Infografik: Apotheke adhoc

Nur 41 % der Deutschen haben sich in den letzten 12 Monaten beim Zahnarzt die Zähne professionell reinigen lassen. Laut Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung würden dabei bis zu 120 € fällig. Die professionelle Zahnreinigung ist aber auch in vielen privaten Zahnzusatzversicherungen standardmäßig enthalten. (Verband der Privaten Krankenversicherung, 24.09.2019)

Für fast alle Herausforderungen bei der Mundgesundheit gibt es spezielle Zahnpasten. Vor allem drei Inhaltsstoffe sind wichtig: Fluorid macht den Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen Säuren, abrasive (= schmirgelnde) Teilchen sorgen für eine gute Putzwirkung und schäumende Stoffe fangen Essenreste ein. Vorsicht jedoch bei “Weißmacher-Zahncremes” ! Sie enthaltenen gröberen Schleifkörper tragen nicht nur Beläge stärker ab, sondern können auch den Zahnschmelz angreifen. … Mundgeruch (Halitosis) bemerkt man bei sich selbst nicht, nur bei anderen. Dabei ist das Problem – einmal erkannt – meist schnell aus der Welt zu schaffen. Dessen Ursache liegt meistens nicht bei Hals, Magen oder Stoffwechsel, sondern in der mangelnden Mundhygiene. Eine Professionelle Zahnreinigung kann bei Mundgeruch Abhilfe schaffen. (Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, 24.09.2019)

In Deutschland verletzt sich jedes Jahr rund 1 Mio. Freizeitsportler schwer. Die gesetzliche Unfallversicherung übernimmt jedoch nicht immer alle Folgekosten. Besonders unfallträchtig sind Ballsportarten. Frauen verletzen sich zudem oft bei Gymnastik oder Reiten. (R+V Versicherung, 24.09.2019)

Eine Organspende ist für viele Menschen das größte Geschenk, das ein Mensch einen anderen machen kann. Werden mehrere Organe transplantiert, sind es im Durchschnitt mehr als 30 Lebensjahre, die ein Organspender schenkt. In Deutschland jedoch findet diese Anerkennung immer noch  verhalten und ohne öffentliche Aufmerksamkeit statt. Das soll sich künftig ändern. (Deutsche Stiftung Organtransplantation, 24.09.2019)

Apotheken-Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht. Das ist in Deutschland durch mehrere Gesetze streng geregelt. (Senioren Ratgeber, 24.09.2019)

Die Deutschen wohnen heute ganz anders als noch vor 30 Jahren. Z.B. ist Schwarz das neue Rot. (J. Wagner GmbH, 24.09.2019)

Infografik: J. Wagner GmbH

36 % der Deutschen würden alkoholisiert mit dem E-Scooter fahren, davon 50 % sogar bei starker Betrunkenheit. 43 % der Männer hätten dabei keine Bedenken. Dabei ist eine alkoholisierte Fahrt mit einem E-Scooter einer alkoholisierten Autofahrt gleichgesetzt und ab 0,5 Promille strafbar. Der Promillegehalt im Blut nach 1 Maß Bier liegt je nach Körpergewicht bei ca. 0,6 bis 1,0. (ScooterExperten.de, 24.09.2019)

Infografik: Scooter Experten powered by eprimo

Österreich

Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) unterstützt die Forderung von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein, “Gesundheit” zu einem Menschenrecht zu erklären. Der BÖP hebt dabei insbesondere die psychische Gesundheit hervor, denn es gibt keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit. (Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen, 24.09.2019)

Autoimmunerkrankungen stellen nach Herz-Kreislauf- und Tumor-Krankheiten die häufigsten gesundheitlichen Probleme der Österreicher dar. Davon sind eine ganze Reihe schon bekannt: von der rheumatoiden Arthritis, über die Multiple Sklerose, Sklerodermie, Morbus Crohn bis hin zum Lupus erythematodes. (Ordensklinikum Linz – Barmherzige Schwestern Elisabethinen, 24.09.2019)

„Arzneimittelsicherheit“ kommt in Österreich eine 3-fache Bedeutung zu: Sie bezieht sich zunächst auf die Garantie, die Bevölkerung mit Arzneimitteln versorgen zu können. Dann betrifft sie die sichere Anwendung von Medikamenten – vor allem im Hinblick auf Wechselwirkungen und Doppelverordnungen. Arzneimittelsicherheit bezeichnet aber auch die Garantie, dass ein bestimmtes Medikament wirksam und darüber hinaus nicht gefälscht ist. Eine Tatsache ist, dass alle 3 Arten von Sicherheit bei Arzneimitteln nur durch deren Bezug über die öffentliche Apotheke gewährleistet werden können. (Österreichische Apothekerkammer, 24.09.2019)

Aktuell werden 10 wissenschaftliche Studien durchgeführt, die aus den Erlösen des jährlichen Wiener Krebsforschungslaufes gefördert werden. (MedUni Wien, 24.09.2019)

Foto: MedUni Wien / Z. Marton

Schweiz

Wer als Unternehmer wirtschaftlich erfolgreich und zufrieden sein will, muss in seine körperliche und psychische Gesundheit investieren. Dadurch können sogar Bildungsnachteile kompensiert werden, wie das Schweizerische Institut für Klein- und Mittelunternehmen der HSG (KMU-HSG) nachgewiesen hat. Darüber hinaus beeinflusst auch die Gesundheit des Ehepartners direkt den unternehmerischen Erfolg. (Universität St. Gallen, 24.09.2019)

Am 26. September wird der Schweizer Nationalrat seine EFAS-Vorlage beraten. Diese verlangt, dass die Krankenkassen alle ambulanten und stationären Behandlungen – mit Ausnahme der Langzeitpflege – vergüten. Die Kantone sollen dazu einen Beitrag leisten, der insgesamt ihrem heutigen Kostenanteil im stationären Bereich entspricht. Der Nationalrat wird sich bei den Beratungen aber auch mit der Ausdehnung von EFAS auf den Pflegebereich auseinandersetzen müssen. Curaviva Schweiz und Senesuisse unterstützen das Projekt EFAS und erachten eine Ausdehnung auf den Pflegebereich als unbedingt nötig, um die integrierte Versorgung zu fördern und Fehlanreize auszumerzen. (Curaviva Schweiz, 24.09.2019)

Schreibe einen Kommentar