3. Dezember 2019: Meldungen des Tages aus der Medizin

Deutschland

Tausende Todesfälle in deutschen Krankenhäusern wären vermeidbar. Eine Überversorgung sowie Qualitätsdefizite gefährden die Gesundheit im Land. Bundesweit gibt es 65 % mehr Betten als im europäischen Vergleich und wegen der Krankenhausdichte ist darum auch der Wettbewerb um das knappe Gut “Fachkräfte” groß. Darüber hinaus sorgt die breit gestreute, kleinteilige Versorgungsstruktur dafür, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestmengen bei Operationen, wie etwa an der Bauchspeicheldrüse mit 10 Eingriffen im Jahr und oder der Kniegelenks-Totalendoprothetik mit vorgeschriebenen 50 Eingriffen, nicht eingehalten werden. Die BKK Landesverband Bayern fordert in einem 1. Schritt die Offenlegung der tatsächlichen Verhältnisse in den behandlungsstärksten 50 Diagnosen der Spitäler. (BKK Landesverband Bayern, 03.12.2019)

Der Begriff Inkontinenz beschreibt verschiedene Einschränkungen im Bereich der Ausscheidung, die die Nutzung verschiedener Hilfsmittel erforderlich machen. Hierunter fallen nicht nur Windeln und saugfähige Vorlagen. Auch Stoma-Beutel sowie sog. Kondom-Urinale und Einmalkatheter, mit denen Betroffene, denen ein natürliches Entleeren der Blase nicht möglich ist, mehrmals täglich das Ablassen des Harns herbeiführen müssen, gehören dazu. 73 % der Deutschen übrigens rechnen mit inkontinenzbedingten Einschränkungen beim Sport, die dann auch für 83 % “sehr belastend” oder “belastend” wären. (Coloplast GmbH, 03.12.2019)

Infografik: Coloplast GmbH

2019 war ein schwieriges Jahr für die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland. Der Umsatz der drittgrößter Branche des Landes verringerte sich um 5 % auf 193 Mrd. €. Auch ging die Produktion insgesamt um 7,5 % zurück, wobei dieser Wert stark von einem statistischen Sondereffekt in der Pharmasparte (-16,5 %) geprägt ist. Für 2020 geht der VCI wieder von einer leichten Zunahme der Produktion aus, die vom erwarteten Wachstum in der Pharmaindustrie (+2 %) getragen wird. (Verband der Chemischen Industrie, 03.12.2019)

Immer mehr Menschen möchten schulmedizinische Therapien naturheilkundlich ergänzen – etwa mit naturreinen ätherischen Ölen. Als vielfältige Helfer bei gesundheitlichen Beschwerden und seelischen Acherbahnen sind sie gerade bei weiblichen Anwenderinnen sehr beliebt. (JOY Verlag GmbH, 03.12.2019)

Ein Selbsthilfe-Buch für bewusst lebende Frauen. (Bild: JOY Verlag GmbH)

Für den Notfall stehen in Deutschland etwa 1.300 Apotheken in der Nacht oder an Feiertagen bereit. Doch rund die Hälfte der Kunden, die in dieser Zeit kommen, haben kein Rezept dabei. Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen jedoch gesetzlich nicht ohne Rezept abgeben werden. Wer also am Feiertag dringend ein Medikament braucht, muss sich zuerst vom notdiensthabenden Arzt ein Rezept ausstellen lassen. (Senioren Ratgeber, 03.12.2019)

Vielen Erwachsenen in Deutschland ist nicht bewusst, dass sie trotz Masernimpfung ungeschützt sind. Wer nach 1970 geboren wurde und in der Kindheit nur 1 Impfung erhielt, muss den Schutz dringend nachholen. Man weiß heute, dass die 1. Dosis nicht immer anschlägt. Seit 2000 werden daher für Kinder gleich 2 Impfungen empfohlen. Das Masernvirus zählt zu den ansteckendsten Erregern, die man kennt. Für eine Übertragung genügt oft schon das Atmen der gleichen Luft. (Apotheken Umschau, 03.12.2019)

Wie viel CO2 verursacht der eigene Fleischkonsum ? Die Produktion von Fleisch wirkt sich direkt und indirekt auf das Weltklima aus. Tiere werden mit Kraftfutter wie Mais, Weizen oder Soja gefüttert. Dabei ist das Umwandlungsverhältnis von Futter zu angesetztem Fleisch schlecht: Ein Schwein muss mit mindestens 2,5 kg gefüttert werden, um 1 kg zuzulegen. Ein Rind mit sogar noch mehr. Es wäre deutlich Ressourcen schonender, wenn Getreide und Hülsenfrüchte direkt als Nahrung für den Menschen verwendet würden anstatt den Umweg über das Tier zu gehen. Wertvolle Grün- oder Waldflächen werden zu Äckern oder Weideland umfunktioniert. Durch die Rodung von Bäumen und Erodieren der Humusschicht entweichen dabei große Mengen gebundenen CO2 in die Atmosphäre. Produktion von CO2 durch Tiere selbst: Die Tiere selbst produzieren CO2. Insbesondere Rinder emittieren klimaschädliche Gase wie Methan im Übermaß. So gibt ein einziges Rind pro Tag 200 l Methangas in die Atmosphäre ab. Laut Umweltbundesamt ist Methan 25 Mal so schädlich wie CO2. (Blitzrechner, 03.12.2019)

Infografik: Blitzrechner

Österreich

Um die hohe Qualität bei der Blutspende in Österreich weiter zu gewährleisten, wird mit der neuen Verordnung ein standardisierter Anamnesebogen vorgeschrieben. Dieser enthält 37 Fragen, dient der Feststellung der gesundheitlichen Eignung eines Blutspenders und besteht aus dem standardisierten Anamnesebogen sowie einem standardisierten Prozessablauf. Erst danach erfolgt die Freigabe der jeweiligen Person zur Blutspende. (Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit, 03.12.2019)

Es gilt als sicher, dass eine Grippe-Impfung nicht nur das Risiko für die Infektionskrankheit selbst, sondern auch jenes für kardiovaskuläre Ereignisse senken kann. Und zwar ähnlich effektiv wie ein Rauchstopp oder die Einnahme von Statinen. Das gilt auch für Personen, die bereits einmal einen Herzinfarkt erlitten haben. Dennoch ist die jährliche Influenza-Impfung hierzulande nicht einmal bei Risikopatienten als Standard etabliert, obwohl der österreichische Impfplan dies eindeutig vorsieht. 39 % der Todesfälle 2018 in Österreich hatten Herz-Kreislauf-Krankheiten als Ursache. Das Risiko für einen Herzinfarkt ist innerhalb einer Woche nach einer Influenza-Diagnose um das Sechsfache erhöht. Das Risiko für einen Schlaganfall steigt in den 15 Tagen nach einer Influenza-Erkrankung um das Dreifache.  (Sanofi-Aventis GmbH, 03.12.2019)

Rund 250 Teilnehmer demonstrierten vor 3 Wochen in Graz friedlich für das Recht auf “körperliche Unversehrtheit” und auf Selbstbestimmung bei Fragen der Gesundheit. Österreich sei eines der letzten Länder in Mitteleuropa ohne Impfzwang und das soll so bleiben. (AEGIS Österreich, 03.12.2019)

Das Neuroblastom ist ein seltener bösartiger Tumor, an dem insbesondere Kinder unter 6 Jahren erkranken können. Wiener Forscher fanden durch Genom-Screening heraus, dass die Proteine ALK und das Krebsgen PIM-1 an der Entstehung dieses Tumors beteiligt sind und dass eine zielgerichtete Krebstherapie mittels eines ALK-Hemmstoffes in Kombination mit einem PIM-1-Hemmstoff die Überlebenschancen von betroffenen Kindern erhöhen kann. (MedUni Wien, 03.12.2019)

Schweiz

71 % der erwachsenen Schweizer Bevölkerung hat sich schon mit der Organspende befasst. 70 % davon erklären sich bereit, “nach ihrem Tod” die eigenen Organe zu spenden (37 % auf jeden Fall). Dazu wurde die Haltung bezüglich zweier Szenarien der Organentnahme abgefragt: 1. 2018 erfolgten 80 % der Organentnahmen in der Schweiz nach einer unwiderruflichen Schädigung des Gehirns. Es reagiert nicht mehr auf Stimulationen von aussen. Die künstlich aufrechterhaltene Herzkreislauffunktion sorgt für die Durchblutung der übrigen Organe, der Körper ist daher warm. Die hirntote Person wird als tot erklärt. Vor der Organentnahme erfolgt eine Vollnarkose. Nach der Schilderung dieses Hirntod-Szenarios sind 35 % der Schweizer bereit, ihre Organe zu spenden, 35 % eher bereit und 28 % gegen eine Organspende. (Human Life International (HLI) Schweiz, 03.12.2019)

2. Dem gegenüber werden 20 % der Organentnahmen am Lebensende nach einem anhaltenden Herz-Kreislauf-Stillstand durchgeführt. Nach einer aussichtslosen Diagnose wird der Therapieabbruch beschlossen. Der Patient wird in den Operationssaal gebracht. Alle lebenserhaltenden Massnahmen werden abgeschaltet und der Herzstillstand abgewartet. Danach wird eine Wartezeit von 5 Min. eingehalten. Der Herzstillstand wird überwacht. Das Gehirn reagiert nicht mehr auf Stimulationen von aussen. Danach wird die Person für tot erklärt. Damit die zu entnehmenden Organe keinen Schaden erleiden, wird der Spender in der Folge sofort wieder intubiert, beatmet und die Organentnahme durchgeführt. Nach der Schilderung dieses Herzstillstand-Szenarios verbleibt die Zustimmung ebenfalls auf insgesamt 70 % (33 % auf jeden Fall, 37 % eher ja) und 27 % lehnen eine solche Organspende ab. (Human Life International (HLI) Schweiz, 03.12.2019)

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