6. November 2019: Meldungen des Tages aus der Medizin

Welt

Obwohl weltweit 86 % der befragten Studienteilnehmer kommerzielle Gentests kennen, haben nur rund 5 % sie schon selbst gekauft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Simon-Kucher & Partners. Diesbezüglich gibt es 4 verschiedene Arten von DNA-Selbsttests: Neben der Abstammung werden Tests zur frühzeitigen Diagnose von Krankheiten angeboten. Zudem sog. Carrier-Tests zur Feststellung einer übertragbaren Krankheit. Des Weiteren gibt es nutrigenomische Tests, die eine Beziehung zwischen dem Genom, der Ernährung und der Gesundheit von Patienten herzustellen, um etwa die Erstellung personalisierter Fitness- oder Ernährungspläne für Patienten zu unterstützen. Das Vorgehen bei allen Tests ist gleich: Nach Erhalt des “Testkits” gibt der Patient eine Speichelprobe ab, die zur Untersuchung an ein vordefiniertes Labor geschickt wird. Nach 3-5 Wochen hat man das Ergebnis. Lässt man die Kosten unberücksichtigt, so würden fast 50 % der Befragten so einen DTC-Gentest nutzen zu wollen.  (Simon-Kucher & Partners, 06.11.2019)

Europa

Ein Tumorgenomtest ist ein entscheidender erster Schritt nach einer Krebsdiagnose. Allerdings sind in Europa nur 23 % der Ärzte der Ansicht, dass ihre Patienten auch über dessen Nutzen informiert sind. Durch einen Tumorgenomtest lassen sich Abweichungen oder Veränderungen des Erbguts (Genom) in Tumorzellen nachweisen, die das Tumorwachstum ausgelöst haben und weiter vorantreiben. Die Ergebnisse des Tests können Ärzten wichtige Informationen darüber liefern, warum ein Krebstumor wächst. So können sie je nach festgestellter spezifischer Veränderung erlaubte Therapien empfehlen. Studien zufolge werden bei 30-49 % der untersuchten Patienten behandelbare Veränderungen im Tumorgenom festgestellt. Ist der krebsauslösende Treiber erkannt und therapierbar, können sog. präzisionsonkologische Wirkstoffe bessere Ergebnisse erzielen als Standardtherapien. Meist werden Krebserkrankungen nach betroffenem Organ, also z.B. Brust-, Lungen- oder Prostatakrebs, definiert. Die Krebstherapie befindet sich jedoch im Umbruch. Mit zunehmender Entwicklung der Präzisionsonkologie sollte in Gesprächen zwischen Arzt und Patient das Thema Tumorgenomtests fester Bestandteil der Routine werden. (Bayer Vital GmbH, 06.11.2019)

Deutschland

Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Prof. Dr. Claudia Schmidtke, setzt sich für die gesetzliche Verankerung von sog. Patientenlotsen ein. Auch Deutschlands Ärztepräsident Dr. Klaus Reinhardt unterstützt diese Idee, denn “Patientenlotsen könnten dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung patientennäher zu gestalten. Patientenlotsen – auch Case Manager genannt – sollen Patienten sektorenübergreifend durch die komplexe Versorgungskette leiten, medizinische und soziale Leistungen koordinieren, bis die Patienten selbst dazu in der Lage sind. Über die koordinierende Aufgabe hinaus sieht Ärztepräsident Reinhardt auch einen hohen Beratungsbedarf bei den Patienten. (Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, 06.11.2019)

BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. (Foto: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe)

Mit dem Start der Informationskampagne “TesteDeinenTumor” in Deutschland macht Bayer darauf aufmerksam, dass Tumorgenomtests entscheidender Bestandteil der Krebsdiagnose sind, um molekulargenetische krebsauslösende Eigenschaften zu entdecken. Sie liefern damit ein genaues Bild der Krebserkrankung und tragen dazu bei, dass Patienten die für sie passende Therapie erhalten. (Bayer Vital AG, 06.11.2019)

30 Jahre nach der Wiedervereinigung unterscheiden sich in Deutschland immer noch die Ansichten in Ost und West, was Reichtum, Gehalt oder Statussymbole betrifft. So gilt man z.B. im Osten ab einem Gehalt von monatlich 6.000 € als reich, im Westen ab 10.000 €. Im Westen gilt Hauspersonal als ein Statussymbol, im Osten “Geldverschwendung”. Und reiche Ostdeutsche würden am liebsten Verreisen, reiche Westdeutsche Immobilien kaufen. (Eurojackpot, 06.11.2019)

Infografik: Eurojackpot

Schlimmes Mobbing kann ebenso zu einem Trauma führen wie körperliche Gewalt oder und Missbrauch. Das Ziel traumatisierter Menschen ist, sich den schlimmen Erlebnissen oder Angst auslösenden Faktoren wie Gerüchen, Geräuschen oder Stimmen, die sie mit den traumatisierenden Situationen und Menschen verbinden, nicht wieder aussetzen zu müssen. In der Folge ziehen sie sich zurück und meiden sogar solche Aktivitäten, ihnen wichtig sind. Ergotherapeuten analysieren dann zunächst einmal den seelischen Zustand und die Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit des Klienten (!) durch Befragen und Beobachten. Danach fokussieren sich auf den Alltag und darauf, ihre Klienten (!) wieder handlungsfähig zu machen. (Deutscher Verband der Ergotherapeuten, 06.11.2019)

Empfiehlt ein Arzt eine kostenpflichtige Zusatzbehandlung, so sollten Patienten sich Bedenkzeit nehmen. Alle diese sog. individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) sind planbar und nicht dringend. Experten schätzen, dass es rund 400 IGeL gibt, mit denen in Deutschland jährlich rund 1 Mrd. € umgesetzt werden. (Apotheken Umschau, 06.11.2019)

Österreich

Anlässlich des Weltdiabetestages 2019 fordert die Österreichische Diabetes Gesellschaft eine konsequente Diabetes-Politik für Österreich. Ein vorrangiges Ziel muss z.B. sein,  die immer jünger werdenden Betroffenen rasch zu finden und zu versorgen, da sie sonst mit besonders schwerwiegenden Verlaufsformen im Zuge der Erkrankung rechnen müssen. Die österreichische “Diabetes-Strategie” wurde 2017 fertiggestellt, enthält alle wichtigen Handlungsempfehlungen und wartet seither auf ihre Umsetzung. (Österreichische Diabetes Gesellschaft, 06.11.2019)

Im internationalen Vergleich hat Österreich eine enorm hohe Zahl an stationären Spitalsaufenthalten. Der Grund dafür ist für 73 % der befragten Krankenhausmitarbeiter die mangelhafte ambulante Versorgung in den Ärzteordinationen. (imh Gmbh, 06.11.2019)

Infografik: imh GmbH

62 % der Beschäftigten in Österreichs Spitälern sehen ihren Arbeitgeber für den demografischen Wandel nicht ausreichend gerüstet. So werde es z.B. immer schwieriger, geeignetes Krankenhauspersonal zu finden und auch zu behalten. (imh GmbH, 06.11.2019)

Infografik: imh GmbH

Das menschliche Herz schlägt im Durchschnitt 100.000 Mal pro Tag und pumpt dabei rund 10.000 l Blut durch die Blutgefäße, um sämtliche Körperzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Aber Achtung: Dieser „Motor“ kann auch aus dem Takt geraten. Man spricht dann von Vorhofflimmern als der häufigsten Herz-Rhythmus-Störung. Und das hat mitunter weitreichende Folgen: In Österreich erleiden täglich rund 70 Personen einen Schlaganfall. Für 25 % davon ist Vorhofflimmern die Ursache. (Pfizer Corporation Austria, 06.11.2019)

Der Verband Pharmig möchte mit einem 5-Punkte-Programm an die neue Bundesregierung Österreich als attraktiven Gesundheitsstandort etablieren. Es sind dies eine stärkere Patientenorientierung, Planungssicherheit für Unternehmen dank stabilem Rechtsrahmen, Förderungen für Forschung und Produktion, die Nutzung der Digitalisierung sowie die Stärkung der Prävention. Leitmaxime der Reformen soll die Patientenorientierung sein. (Pharmig, 06.11.2019)

Im Kostenerstattungsprozess von Medikamenten in Österreich werden sog. Schrittinnovationen nicht oder nur selten berücksichtigt. Die Lebensqualität der Patienten ist aber sehr wohl davon betroffen, ob ein Arzneimittel, das bisher gespritzt werden musste, fortan oral eingenommen werden kann oder ob jemand statt 3 Tabletten nur mehr 1 einzunehmen braucht. (Pharmig, 06.11.2019)

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