Arthrose und Resignationsmedizin

Selbst Ärzte resignieren im Laufe der Zeit. Aus einsichtigen Gründen: Wenn man die Patienten 100 Mal, 200 Mal oder 500 Mal aufgeklärt und ermahnt hat, die aber einfach nicht folgen wollen, dann wird der Arzt mit der Zeit resignieren. Das ist die eine Seite der Resignationsmedizin.

Die andere Seite ist, und das meine ich natürlich ganz lieb, wenn ich von Resignationsmedizin spreche, aber die Schulmedizin meine, dass vieles aus der medizinischen Wissenschaft in Deutschland einfach unbekannt ist. Darum bitte verstehen Sie den nachfolgenden Brief auch vor diesem Hintergrund:

Mein Mann hat ‐ angeblich – im Fußgelenk beginnende Arthrose. Der (übergewichtige) Orthopäde empfahl ihm, den Fuß zu schonen. Daraufhin nahm mein Mann – nach Ihrer Diät – 18 kg ab und läuft nun schon wieder 60-80 km im Monat beschwerdefrei.

Haben Sie’s gelesen, das letzte Wort ? Das eigentliche Ziel der Schulmedizin: Beschwerdefrei ! Und wie erreicht man das ? Na, mit einem genetisch korrekten Lebensstil. Oder noch einfacher gesagt:

Anstreben des Normalgewichts und Bewegung …

Dass bei einem (übergewichtigen) Orthopäden ein ganz anderes Programm abläuft, dass der den Schongang einschalten wollte, das ist typisch für die Resignationsmedizin. Logisch für die „Ruhigstellungsmedizin“ …

Was wir daraus lernen können ?

Nun, wir sind alle selbst für uns verantwortlich. Ich kann diesen Punkt immer wieder nur betonen. Man kann sich natürlich beraten lassen (Stichwort Ausschlussdiagnostik), aber für die Heilung ist man absolut selbst verantwortlich. Die Anleitung dazu kennen Sie auch längst:

Frohmedizin – Bewegung, Ernährung und Denken

Operieren z.B. kommt darin nicht vor. Für diese Möglichkeit ist die Schulmedizin bekannt. Erinnern Sie sich an die großen Pressekonferenzen nach zumeist spektakulären Organtransplantationen ? Und bei Arthrose im Knie … da wird dann natürlich auch operiert. Wohl jeder Schulmediziner wird Patienten zur Arthroskopie und zum „Glätten“ raten. Bekannt auch als „Lavage und Debridement“, jedoch völlig unnötig.

Wurde auch schon längstens bewiesen (siehe N Engl J Med 2008; 359:1097): Von 172 Patienten mit mittelschwerer und schwerer Kniearthrose wurde die eine Hälfte bewegt und bekam Gelatine, die andere Hälfte wurde arthroskopisch operiert. Im Ergebnis kein Unterschied.

Arthroskopie und Operation haben keinen Vorteil !

Doch wer will das in der heutigen Zeit schon wissen ? Zu einfach und verführerisch klingt das Wort Operation. Dagegen hören sich Eigenverantwortung, Bewegung, Muskelaufbau und Disziplin ziemlich anstrengend an …

Marathon 9 Minuten schneller

Das geht eigentlich nicht. Allenfalls bei 4-Stunden-Läufern. Nicht aber bei sehr guten Amateuren. Die brauchen für die 42 km um die 2 Std 50 Min. Und so ein ambitionierter Marathoni besuchte mich vor 2 Monaten in der Praxis. Schlank, um die 30 Jahre alt und hatte die letzten 2 Marathon in 2 Std. 50 Min und 2 Std. 49 Min absolviert. Übrigens fantastische Zeiten ! Nochmals übrigens: Meine Bestzeit steht bei 02:49:15 …

Der Herr hatte also verstanden, dass seine körperliche Grenze beim Marathonlauf mehr oder weniger bei 2 Std 50 Min liegt. Aber genau das wollte er nicht akzeptieren ! Darum kam er nach Roth. Mit bereits sehr guten Blutwerten, wie man sich vorstellen kann. Hatte viel Magnesium, viel Vitamin D, einen vollen Eisenspeicher, aber nur mäßig Hämoglobin.

Hämoglobin, der rote Blutfarbstoff, der transportiert den Sauerstoff durch den Körper. Und logisch, je mehr man davon hat, desto schneller kann man auch laufen. Bei Männern ist angeblich ein Wert von 14-18 normal. Also am besten 17. Leichtathleten bei Weltmeisterschaften haben dort 19 und mehr. Aus gutem Grund ! Die Ursache für wenig Hämoglobin ist neben mäßigem Eiweiß (in diesem Fall 7,02 g%) oft ein knappes Testosteron. Testosteron ist bekanntlich ein sehr sensibles Hormon. Das reagiert auf alle Gedanken und natürlich auch auf Stress. Leider.

Aber all das ist Vergangenheit. 2 Monate nach dem Praxisbesuch schickte mir der junge Mann folgende Nachricht:

Ich bin letzten Sonntag den Marathon in 02:40:51 gelaufen. Also 9 Minuten schneller !!!

Das hatte selbst ich für unmöglich gehalten. Wieder einmal müssen wir uns den Tatsachen beugen. Der Natur. Und die lauten:

AMINOGRAMM und Aminosäuren

Die nämlich waren anfangs traurig gewesen. So wie das knappe Testosteron. Der Grund: Stress. Überforderung, Übertraining. Könnte bei Ihnen aber schon der normale Alltag sein … Nur hat dieser ehrgeizige Läufer dann auch nicht lange gefackelt oder mit mir zu diskutieren (!) begonnen (Stichwort Überdosierung), sondern sein Eiweiß aufgefüllt. Sein Aminogramm perfektioniert. Das Resultat ? Eine

9 Minuten schnellere Marathon-Zeit.

Nun, was lernen wir daraus ? Man UNTERSCHÄTZT noch immer

  1. die Molekularmedizin (insbesondere das Aminogramm)
  2. die Aminosäuren.

Und zwar ganz fürchterlich ! Denn, ob es jemandem „besser” geht oder nicht, ist oft eine subjektive Einschätzung. Eine gestoppte Marathon-Zeit hingegen, die ist objektiv.

FAZIT: Wer sich nicht um seine Aminosäuren kümmert, der/die hat vom Leben noch keine Ahnung !

Bestrahlungsdemenz … ausgetrickst

Müssen es immer sehr aufwändige und sehr teure Studien sein, die der Medizin weiterhelfen. Oder kann man nicht auch einzelnen Patienten glauben, wie Heilung geht. Die es geschafft haben, ihre Krankheit zu besiegen. Man könnte doch auch seinen Mitmenschen einfach nur zuzuhören, um dazuzulernen. Um Respekt zu bekommen: Die Mitmenschen sind meistens ohnehin fast so klug wie man selbst. Und Manche davon haben sogar noch Schlimmeres erlebt und sich dann auch bemüht wie man selbst.

Lese ich also über die deutsche Schauspielerin Renan Demirkan, die vor 5 Jahren an Brustkrebs erkrankte.  Was dann kam, schreibt sie, „war die Hölle“: Durch und während der Bestrahlung hätte sie eine Bestrahlungsdemenz entwickelt. Und sagt nach ihrer Selbstheilung:

Laufen ist ein wahres Wundermittel !

Zitat einer 63-jährigen Dame. Die es wissen muss. Die hat es erlebt. Doch was ist eine Bestrahlungsdemenz ? Wie entsteht die ? Nun: Hören wir ihr einfach zu:

Genau zu dem Zeitpunkt meiner Krebserkrankung hatte ich eine Theaterrolle angenommen. Ich hatte aber keinen Zugriff auf mein Gedächtnis. Ich habe von einem Moment auf den anderen vergessen, was ich gerade gesagt hatte. Ich konnte mir keinen Text mehr merken. Das war unbeschreiblich beschämend!

Da kann man eigentlich nur noch verzweifeln. Krebs kann man nicht so einfach abschütteln. Kommt offenbar um die Bestrahlung nicht so einfach herum. Irgendeine Tablette, die einem das Gedächtnis zurückgibt, gibt es in dem Fall auch nicht. Doch die besagte Frau Demirkan war zäh. Sagte wörtlich „Disziplin und Pflichterfüllung gehören zu meinem Lebens-ABC“. Die hat gesucht und dann gelesen !

Hatte tatsächlich eine Studie gefunden, die belegt, dass Sport neue Verbindung im Gehirn schafft. Noch einmal: Sport schafft neue Verbindungen im Gehirn. Ich erzähle Ihnen das schon seit 30 Jahren. In jedem Vortrag, in jedem Seminar:

Durch Laufen wächst das neuronale Netz.

Also die Verknüpfungen der Gehirnzellen. Sprich das Gedächtnis. Das Gehirn wird buchstäblich wieder jung. Das war für mich übrigens der Auslöser, öffentlich aufzutreten. Das wollte ich Ihnen und vielen Anderen unbedingt mitteilen !!

Frau Demirkan (63) hat in ihrer Verzweiflung die Studienergebnisse sehr ernst genommen, hat sich ein Laufband angeschafft UND ist dann auch

täglich 2 – 5 Stunden gelaufen.

Auf dem Laufband. Jeden Tag 2-5 Stunden. Die hat zuvor nicht mit Ärzten diskutiert, ob 20 Min. täglich reichen oder es 30 Min. sein müssen (müssen !). Die hat es in ihrer Verzweiflung – ich wiederhole es gerne, weil auch ich so staune – einfach getan. Und was passierte ?

Innerhalb von 10 Tagen konnte ich mir den Text wieder merken.

Das war’s auch schon wieder. Das wollte ich Ihnen nur mitteilen:

  • Dass es sich oft wirklich lohnt, seinen Mitmenschen zuzuhören.
  • Dass Laufen Wunder wirkt. So zu sagen eine Medizin ist …

Solche erstaunlichen Erlebnisse, solche Tatsachen, solche News (!) gebe ich sehr gerne an Sie weiter.

QUELLE: Freizeit Revue 2/2019, S. 94

Sporthormon Irisin bremst Alzheimer

Alzheimer ereilt eines Tages so ziemlich jeden von uns. Irgendwann. Darum auch empfiehlt selbst die WHO zur Vermeidung von “geistigem Abbau” in allererster Linie

Sport.

Jedenfalls körperliche Aktivität. Zu diesem Thema und Zusammenhang gibt es in der Tat genügend beweisende Studien. Und freilich gibt es auch ursächliche Beweise: Man identifiziert einen Stoff, der durch Sport produziert wird und beweist dann, dass das Gehirn (anatomisch, histologisch) gesünder bleibt. So ein Stoff ist das

(Sport-)Hormon Irisin.

Das wird wie gesagt beim Sport im Muskel ausgeschüttet und bremst im Gehirn tatsächlich „neurodegenerative Prozesse“. Bewiesen jüngst an der Columbia University. Dort hatten Forscher Mäusen ein regelmäßiges Fitnessprogramm verordnet und messen können, dass das Hormon Irisin aus den Muskeln über den Kreislauf vermehrt in das Gehirn wanderte.

Dort schützt das Hormon gegen die Schäden durch Alzheimer: Die Menge der Alzheimer-typischen Beta-Amyloid-Proteine (eine schädliche Ablagerung) sinkt, die Gedächtnisleistung dieser Tiere stabilisierte sich. Andererseits hatte Sport keine positive Wirkung auf das Gedächtnis der Mäuse, wenn dieses Hormon im Gehirn blockiert wurde.

Beim Menschen wiederum war längst aufgefallen, dass Irisin im Gehirn von Alzheimerpatienten in geringeren Mengen ausgeschüttet wird, verglichen mit anderen Patienten. Wer das auch immer gewesen sein mag, aber immerhin.

Warum Frohmediziner solche Studien interessant und zugleich überflüssig finden, das wissen Sie längst. Sport, Bewegung, Laufen … ist ohnehin tägliche Pflicht. Daher hier nur zur Sicherheit und der Vollständigkeit halber erwähnt:

  • Laufen Sie.
  • Machen Sie Krafttraining.

Die Mehrzahl der Deutschen glaubt selbst heute noch, dass es sich dabei um „lustige Hobbies“ handelt. Marathon laufen Angeberei sei und Besuche in Fitnessstudios erst recht. Die Mehrzahl der Deutschen hat dafür keine Zeit, obwohl

Sport bekanntlich Zeit sparen hilft. Man braucht weniger Schlaf !

Ihnen die Notwendigkeit wie das Vergnügen von Sport immer und immer wieder klar zu machen, das ist eine Aufgabe dieser News. Dass Sie das bitte nicht vergessen !

QUELLE: Gehirn & Geist 4/2019

Zur Prävention Tabletten oder Sport ?

Nun, wie das ausgeht, können Sie sich sicher vorstellen. Ich will es aber dennoch spannend machen, wenngleich Sie längst wissen, wie man gesund, schlank und fit bleibt. Wie man eben nicht an Diabetes, Herzinfarkt oder Schlaganfall stirbt. Dazu genügt die heute ganz kurze E-Mail des Tages:

Seit Jahren schon, sehr geehrter Herr Dr. Strunz, lese ich mit Begeisterung Ihre täglichen News. Mir selbst geht es mit Nahrungsergänzungsmitteln, Sport und stark kohlenhydratreduzierter Ernährung spitze und ich habe allein durch den letzten Punkt auf 74 kg abgenommen – bei gleichzeitigem Muskelaufbau.

Das war’s ! Diese News könnten hier enden. Oder kann man zu dem Thema noch etwas sagen ? Ohhh, wenn Sie wüssten !

Die Schulmedizin oder wie wir sie auch noch nennen, Resignationsmedizin, fängt gerade erst an, sich verdutzt die Augen zu reiben. Hat der Verfasser so einer E-Mail recht ? Weiß der mehr als die hochgezüchteten Universitätskliniken, die täglich forschenden Professoren ? Kann der Lebensstil ein stärkeres Heilmittel sein als jede Art Arzneimittel ?

Und, wie ich glaube, starr vor Schreck gibt da eine weltweite Studie dem Mail-Schreiber recht. Da haben nämlich britische Forscher 300.000 Menschen analysiert. Und wollten wissen, ob Bewegung (allein !) besser vor Erkrankungen wie Diabetes, Herzproblemen oder Schlaganfall schützen kann als die üblichen Medikamente. Das Ergebnis:

Ja, Sport kann die bessere Präventionsmaßnahme sein !

Veröffentlicht im British Medical Journal (BMJ 2013;347:f5577), wurde – wie gesagt – die Wirkung von Tabletten mit der von Sport verglichen. Und da heißt es:

Abgesehen vom Diabetes (da helfen Tabletten offenbar gar nichts) können zwar auch Medikamente vor einem frühzeitigen Tod durch diese Krankheiten schützen. Allerdings ist der Schutz nicht größer als der durch Bewegung: Bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße war Sport ähnlich effektiv wie häufig verordnete Medikamente, darunter Statine und Betablocker. Bei der Behandlung von Schlaganfall-Patienten übertraf der Effekt von Bewegung sogar die Medikamente, bei Herzversagen wirkten Diuretika (wassertreibende Mittel) etwas besser als das verordnete Training.

Und dann folgen (entlarvende) Zahlen … Sport ist in Wahrheit gar nicht ausreichend untersucht (worden). Bei Schlaganfall wurde die Präventionsleistung von Bewegung gar nur bei 227 Patienten analysiert, die Wirkung von Blut verdünnenden (lebensgefährlichen !) Mitteln hingegen bei über 70.000 (!) Menschen. Und dennoch getrauen sich die Forscher als ein Fazit folgende Warnung auszusprechen:

DIE EINSEITIGE, AUF MEDIKAMENTE KONZENTRIERTE FORSCHUNG FÜHRT MÖGLICHERWEISE DAZU, DASS DIE EFFEKTIVSTEN THERAPIEN FÜR DIESE KRANKHEITEN UNERKANNT BLEIBEN.

Alles klar ? Ich lächle soeben … Doch die Forscher weiter:

Der relative Mangel an Evidenz lässt eine erhebliche Unsicherheit darüber entstehen, welche Patienten von welcher Art Training profitieren würden und welche Formen von Training möglicherweise unwirksam sind. Erschwerend kommt hinzu, dass die Evidenz für die potenziell schädlichen Nebenwirkungen von Bewegungseingriffen begrenzt ist.

Das soll wohl heißen, dass für einen Arzt in der Praxis die Herausforderung darin bestehen könnte, seinen Patienten die genaue Dosis körperlicher Aktivität zu verordnen. … Na gut: Denken Sie jetzt auch gerade das, was ich denke ?

PS: Auf SPIEGEL Online übrigens heißt diese Geschichte “Vorsorge: Sport könnte Medikamente überflüssig machen”.