Krebs: 57 % der Medikamente reine Geldverschwendung

Ob auf dem US-Krebskongress “ASCO” in Chicago oder dem Kongress “Medizin und Gesundheit” in Berlin: Weltweit werden die Fortschritte in der Krebsbehandlung thematisiert und über die Finanzierbarkeit neuer Behandlungen wie Medikamente diskutiert. Dabei ergab nun eine Studie, publiziert in The British Medical Journal (BMJ), dass 57 % der von 2009-2013 erschienen Krebsmedikamente keinen Einfluss auf die Lebensqualität oder gar das Überleben von Krebspatienten hatten.

Öffentliche Gelder

Das würde, so das renommierte BMJ, gar “ernste Fragen” aufwerfen. Wie z.B., warum das derzeitige regulatorische Umfeld die Zulassung von Krebsmedikamenten unterstützt, die Patienten sogar in Gefahr brächten, noch mehr an Lebensqualität zu verlieren. Viele der Medikamente wurden nämlich auf der Grundlage von Surrogat-Endpunkten zugelassen, obwohl dies kein verlässlicher Indikator für die meisten Krebsbehandlungen ist. Laut Meinung der Forscher sei das nicht nur eine Verschwendung öffentlicher Geldmittel, sondern würde auch die bezahlbare Versorgung in anderen Bereichen untergraben.

Diesem “völlig falschen Bild von der Wirkung neuer Krebsmedikamente” entgegnet z.B. der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig), dass sehr wohl jedes einzelne Krebsmedikament wertvoll sei: “Es ist vielfach nicht möglich, zum Zulassungszeitpunkt ausnahmslos alle Daten zur Wirkungsweise eines neuen Arzneimittels zu haben – speziell dann, wenn es um die Verlängerung der Lebenszeit geht”, findet deren Generalsekretär Jan Huber. Und außerdem höre das Sammeln von Daten über ein neues Arzneimittel nicht mit dessen Zulassung auf. Die Studie suggeriere zudem, dass “nutzlose Medikamente” zugelassen würden, was laut Pharmig nicht akzeptiert werden könnte.

Millionen bzw. Milliarden

Die Ergebnisse der Studie seien auch geeignet, die Leistungen eines Partners im Gesundheitswesen, der “für einen großen Teil des Fortschritts in der Medizin” steht, unter Wert darzustellen. Man dürfe laut Huber nicht vergessen, dass die Pharmaindustrie “Millionen- bzw. auch Milliardenbeiträge” in die Entwicklung von Arzneimitteln investiert. Es gebe Zahlen, die “eindrücklich und nachweislich den effektiven Nutzen medikamentöser Krebstherapien” belegen: So bleiben etwa die Ausgaben für Krebsmedikamente seit Jahren gleich, obwohl immer mehr Krebspatienten behandelt würden. “Die 5-Jahres-Überlebensrate bei Krebs wurde in Österreich von 48 % auf 61 % enorm gesteigert”, bilanziert der Pharmig.

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